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7 Probleme mit Verlagen - und wie sie zustande kommen

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich euch auf Instagram und Tiktok gefragt, was euch an Verlagen so richtig nervt. Ich wollte einen Blogartikel darüber schreiben, woher diese Probleme eigentlich kommen. Einfach um ein bisschen zu erklären, warum es so ist, wie es nunmal ist. Und hier ist er: Der Artikel mit den gesammelten "Meckerpunkten":


Und bitte versteht mich nicht falsch: Dieser Artikel ist nicht dazu da, Verlage zu verteidigen und Autor:innen als Schwätzer:innen darzustellen. Oder zu jammern. Absolut nicht! Ich habe den CatMint Verlag aus vielen der unten genannten Gründen gegründet. Ich habe eben ein Buch geschrieben und dafür damals ein paar Verlags-Angebote erhalten. Die haben mich ein müdes Lächeln gekostet. Angenommen habe ich keines davon, hauptsächlich (aber nicht nur) wegen der mikrigen Vergütung. Ich wusste es eben nicht besser. Im Laufe meiner Verlagskarriere ist mir die Realität sooft ins Gesicht geklatscht worden, dass ich mich wundere, warum ich noch keine grün-blauen Augen davon getragen habe. Es ist eben nicht so einfach. Aber das ist okay. Ich lerne und ich lerne gerne und ich versuche es immer noch besser zu machen, auch wenn es mir oft sehr, sehr schwer fällt.



 


Fangen wir also mit dem mir am häufigsten genannten Grund an, warum Verlage nerven:


1. "Die Wartezeit auf eine Antwort/Entscheidung dauert zu lange."


Ja, man kann wirklich nicht erwarten, dass ein Verlag binnen 24h auf eine Manuskripteinsendung antwortet. Und wenn er das doch tut, würde ich die Seriosität hinterfragen. (Soll jetzt nicht heißen, dass "schnelle Verlage" unseriös sind, sie sind nur wirklich selten!)

Die Faustregel ist: 3 Monate warten, danach kann man es als Absage werten. Aber warum brauchen die denn so lange?

Großverlage bekommen am Tag wirklich viele Manuskripte zugeschickt. Die müssen alle gesichtet werden. Das lässt sich nicht schnell mal so machen. Kannst du "Herr der Dinge" (Name absichtlich nur impliziert) an einem Tag durchlesen? Ja? Kannst du das auch 30 Mal? Wenn ja: möchtest du bei mir anfangen? ;) Gut, ja, ein Verlag bekommt erstmal nur Leseproben und Exposés, aber auch das frisst Zeit. Und dann muss auch noch entschieden werden, ob der Verlag das guten Gewissens aufnehmen kann.

Kleinverlage bekommen vielleicht nicht so viele Einreichungen pro Tag, aber hier muss man bedenken, dass oft nur ganz wenige Menschen dahinter sitzen. Und auch diese Menschen haben begrenzte Ressourcen. Ich bin da ein gutes Beispiel. Ich bin ein Ein-Personen-Unternehmen (mit gelgentlicher Hilfe beim Entscheidungsprozess), eine Person die so ziemlich alle Bereiche im Verlag managed und es hinbekommen muss, diesen Vollzeitjob in 15 Wochenstunden unterzubringen. Immerhin habe ich Kinder und die wollen nicht im Kindergarten übernachten. Und dann verlangen sie auch noch was warmes zu essen! Und ja, es gibt auch etwas größere Kleinverlage. Was ich damit aber sagen will: Manchmal schaffen es Kleinverlage aus diversen, meist privaten Gründen es einfach eine Woche lang nicht, sich Manuskripte anzusehen und dann stauen sie sich. Das ist menschlich.


2. "Oft bekommt man dann gar keine Antwort."

Ja gut, das ist nun wirklich nicht ok. Ja, ich gebe zu, auch mir ist schon mal das ToDo "Absage an XY abschicken" durchgerutscht. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Das ist aber dann meinerseits ein persönliches Ding und hat nichts mit Professionalität zu tun. Mir fällt nun auch kein relevanter Grund ein, warum keine Absage verschickt wird, abgesehen von dem eventuellen Versuch, Konfliktsituationen aus dem Weg zu gehen. Ihr wollt gar nicht wissen, was auf eine Absage für Hassmails und Beleidigungen folgen können. Mir ist bewusst, nicht jede:r Autor:in ist so. Eigentlich sogar die wenigsten. Aber das weiß man im Vorhinein nicht. Und klar, wenn man jede Absage manuell eintippt, dauert das lange und rentiert sich nicht, denn Arbeitskräfte müssen bezhalt werden. Aber wenn man sich ein mal eine Stunde hinsetzt, schafft man es, Vorlagen zu schreiben, die dann innerhalb weniger Sekunden abgeschickt sein können. Es muss einem ja nicht der Kopf gestreichelt werden. Es ist doch einfach nur schön, wenn man weiß, woran man ist, oder?

Jedenfalls eine Absage gehört auch meiner Meinung nach zum guten Ton. Das sollte das mindeste sein. Eine Angabe von einem Grund wäre noch schöner.


3. "Man fällt in die Rolle des Bittstellers."


Das ist aber glaube ich eher ein soziales Ding. Im Idealfall ist es ein respektvolles Miteinander. Auch als Verlag kenne ich diese Rolle. Einerseits z.B. wenn es darum geht, Illustrator:innen zu engagieren (und da möchte ich wirklich nicht pauschalisieren, es gibt solche und solche. Ich habe eben einfach schon diese Erfahrung gemacht), aber ganz ganz speziell wenn es um Förderungen geht.

Sobald man aber das Gefühl hat, dass man nur noch eine untergeordnete Rolle spielt und ausser "Ja und Amen" nichts sagen kann, weil einem der Vertrag sonst gekündigt wird, sollte man sich überlegen, ob dieser Verlag der richtige für einen ist und ob man den Vertrag wirklich unterschreiben möchte. Auch hier gibt es solche und solche.

Gerade als Newcomer:in ist es mitunter schwer ohne Agentur in einen größeren Verlag zu kommen, sei es als Autor:in oder Illustrator:in. (Hier geht es jetzt um die Situation, dass man von einem Verlag engagiert werden will als z.B. Ghostwriter:in oder Kinderbuchillustratorin) und man hat das Gefühl, dass man bitten und betteln muss um überhaupt irgendwie gehört zu werden. Das ist super nervig, denn man selbst weiß ja, was man drauf hat. Aber der Verlag weiß es eben nicht. Viele Verlage haben ihre paar Illustrator:innen, die sie immer wieder heranziehen, weil sie wissen, mit diesen lässt sich gut arbeiten. Jemand neuer ist unbekannt - ist diese Person wirklich zuverlässig? Kann sie liefern was wir brauchen? Fehlentscheidungen können hier sehr teuer ausfallen.

Ich darf an dieser Stelle so frei sein und das für Schleichwerbung nutzen und auf unsere Illustrator:innen-Datenbank verweisen <3


4. "Um das Marketing muss ich mich selbst kümmern."

Jup, das ist eine blöde Situation. Oft hat man die Erwartung, dass sich die eigenen Bücher, gerade in großen Verlagen, wie warme Semmeln verkaufen. Tut mir leid, euch enttäuschen zu müssen. Ohne Eigenmarketing wird der Weg vermutlich eher schwer (aber nicht unmöglich).

Woran das liegt? Zuallererst mal muss ich euch leider sagen: Der Markt ist übersättigt. Gerade zu Corona-Zeiten haben die Menschen zu schreiben begonnen, aber auch davor war die Situation nicht unbedingt anders. Das heißt also, es gibt viele Bücher, die gelesen werden wollen. Das schon mal vorweg.

Marketing ist ressourcenintensiv. Also entweder pulvert man viel Zeit oder viel Geld in Marketing. Oder beides.

Ein Verlag ist idR. ein gewinnorientiertes Unternehmen. Das klingt erstmal gierig, soll aber heißen, dass hinter jedem Verlag Menschen sitzen, die davon leben müssen und deswegen wirtschaftlich denken.

Vielleicht habt ihr schon mal vom Paretoprinzip gehört. Oder auch "80:20-Prinzip". Und das lässt sich auch hier anwenden: 20% des Sortiments machen 80% des Umsatzes aus.

Wenn also ein Verlag 10 Bücher im Sortiment hat, sind im Schnitt 2 davon Verlagsbestseller und halten den Verlag über Wasser und der Rest findet einfach nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient. Der Verlag kann jetzt entweder wirklich viel Geld in Marketing stecken und versuchen, den Verkauf der restlichen 8 Bücher anzukurbeln, trotz der geringen Erfolgschancen mit den Bestsellern gleichzuziehen, oder er steckt das Geld in die 2 Verlagsbestseller und hat damit sein Geld nachweislich besser angelegt ohne dabei ein erhöhtes finanzielles Risiko tragen zu müssen.

Hand aufs Herz: was würdet ihr tun?


5. "Mir wird nur ein geringer Prozentsatz des Buchpreises als Honorar ausgezahlt."


Mal ehrlich: Das war der Hauptgrund, weswegen ich mich als Selfpublisherin versuchen wollte und dann den Verlag gegründet habe. Zum Glück mache ich das, was ich hier eben mache aus Leidenschaft, denn würde ich es wegen des Geldes machen, hätte ich schon längst aufgegeben.

Ich habe sehr bald gelernt, nur weil die/der Autor:in z.B. nur 8% bekommt, heißt das nicht, dass sich der Verlag 92% in die Tasche steckt.

Das Skurrile an der Sache ist, dass so ein Verlag ja das ganze finanzielle Risiko trägt, aber, neben der/dem Autor:in am wenigsten Profit mit den Büchern macht. Da schneiden nämlich ganz viele Stellen mit und am allermeisten wird an den Zwischenhandel abgetreten. Verkauft der Verlag direkt an den Buchhandel, gibt er idR. 15%-45% Rabatt. Dass große Buchhandelsketten bei einem (Klein)Verlag direkt bestellen passiert aber so gut wie nie, diese beziehen ihre Bücher über Barsortimente. Das ist mehr oder weniger ein Lager, das nach Bestellung die Buchhandlung über Nacht beliefern kann. Und diese Barsortimente bekommen einen Rabatt von über 50%. (Und das ist ja grundsätzlich okay! Die müssen ja auch Mitarbeiter:innen bezahlen.) Dann kann es passieren, dass man mit einer Verlagsauslieferung zusammenarbeiten muss oder will. Die beliefern, wie Barsortimente, Buchhandlungen, aber auch das Barsortiment. Verlagsauslieferungen wollen natürlich auch ihren Anteil verdienen und verlangen ebenfalls etwa 50%. Wenn aber eine von der Auslieferung belieferte Stelle soviel Rabatt verlangt, dass die Verlagsauslieferung kaum bis gar keinen Gewinn mit dem gelieferten Buch macht, dann wird das nochmal dem Verlag abgezogen. Also, im blödesten Fall bleiben dem Verlag dann noch um die 30% vom Buchpreis. Und von diesen 30% müssen anteilig Druckkosten, Illustrationskosten, Werbungskosten, Korrektorat, Lektorat, Gestaltungskosten, Steuern und so weiter bezahlt werden. Da kommt dann oft noch eine pauschale Handling Fee dazu, die sich der Verlag nicht einsteckt, sondern nutzt um Kosten wie Messestände, Softwareprogramme, Steuerberater:innen, Porto, Arbeitsgeräte und allem was für einen Verlagsalltag nötig ist zu decken. Und nachdem all das abgezogen wurde, bleibt einfach nicht mehr viel übrig. Und bis zu diesem Zeitpunkt hat auch der Verlag noch keinen Gewinn gemacht. Das restliche bisschen, das dann an Geld noch übrig bleibt, wird zwischen Verlag und Autor:in verteilt. Im Gegensatz zum Verlag verdient die/der Autor:in ab dem ersten Buch. Der Verlag muss erstmal eine bestimmte Anzahl an Büchern verkauft haben, bis er keinen Verlust mehr stehen hat. Das ist dann der sogenannte Break Even Point. Im schlimmsten Fall wird dieser gar nicht erreicht, weil das Buch nicht gut läuft.

Und so liebe Leute, kommt dieser mikrige Prozentsatz an Honorar zustande.


Selbst im CatMint Verlag, wo wir doch alles besser machen wollen, sieht es manchmal nicht viel besser aus, leider. Lt. Standardvertrag teilen wir den Gewinn 50:50. Dh. an einem Buch hat der Verlag genausoviel Gewinn wie die/der Autor:in. Aber wenn wir uns ehrlich sind, sind das bei gewissen Büchern auch nur 0,80€, wenn sie z.B. über das große A bezogen werden. Es gibt hier allerdings auch Situationen (wenn beim Verlag direkt gekauft wird), da verdient die/der Autor:in an einem Buch 7€. Das klingt doch schon besser. Wir arbeiten stetig am Bessermachen und hoffen, hier Autor:innen bald richtig reich machen zu können :P


Noch ein kleiner Exkurs dazu: Manchmal sind die Kosten für ein Buch so enorm, gerade mit den derzeitigen Druckkosten, dass vor allem Kleinverlage auf Förderungen angewiesen sind, die es ja in Österreich zum Glück manchmal gibt (was nicht heißt, dass der Förderantrag auch bewilligt wird ...), denn ohne einen Zuschuss könnten die Kosten mit einem branchendurchschnittlichen Endbuchpreis nicht gedeckt werden und das Buch wäre von Anfang an ein Verlust. Und da wären wir wieder bei der Rolle des Bittstellers. Alternativ können wir statt € 12,- für ein Taschenbuch auch € 57,- verlagen, dann würde sich das Verlagsgeschäft wenigstens halbwegs rentieren. Aber seid mal ehrlich: Würdet ihr so viel Geld für ein Taschenbuch bezahlen?


6. "Ich musste das Cover (oder andere Kostenpunkte) selbst bezahlen."


Finger weg! Das ist die erste Red Flag für Druckkostenzuschussverlage (DKZV) und die verlangen Geld im Vorhinein von der/dem Autor:in. Will ein Verlag Geld von euch (oder eine garantierte Mindestabnahme von Büchern), lasst es bitte sein (oder seid euch im Vorfeld bewusst, worauf ihr euch einlasst! - Recherche ist hier das um und auf!) Leider gibt es DKZV, die die Unwissenheit von Autor:innen ausnutzen. Da greift erstmal die Euphorie, dass das Buch wo angenommen wird. Die Kosten werden dann aber zu einem Großteil auf euch abgewälzt und verkauft wird wenig.

Es gibt auch (Klein)Verlage, die absolut garkeinen bösen Hintergedanken haben und so agieren. Diese wollen einfach nur unterstützen und großartige Bücher publizieren, können es sich in dem Rahmen aber gar nicht leisten - ich weiß wovon ich hier schreibe, in diesem Stadium war ich ja auch mal. Aber dann, ihr lieben Verleger:innen, bitte nutzt nicht den Begriff "Verlag" und macht im Vorhinein klar, was ihr anbietet oder überdenkt euer Angebot. Ein:e Autor:in sollte in keinster Weise in Vorkasse gehen!


7. "Es wurde kein Korrektorat gemacht."

Was ich hier schreiben möchte, unterscheidet sich nicht großartig von Punkt 6. Auch hier wird dieser Kostenpunkt auf die/den Autor:in abgewälzt, aber oft gar nichts gesagt - ein DKZV hat seinen Gewinn idR. schon mit euch gemacht.

Und auch hier gibt es wieder (Klein)Verlage mit eigentlich guten Absichten und dem Willen einzusparen und evt. dafür mehr an die/den Autor:in abzutreten. Aber auch euch rate ich: Unbedingt professionell korrigieren lassen. Meiner Erfahrung nach finden sich auch in einem 500-Wörter-Kinderbuch genug Fehler, die wirklich nicht sein müssen. (Vermutlich findet ihr in diesem Blogbeitrag auch genug Fehler. Ich gebe zu, ich habe ihn nicht korrigieren lassen.)


Und ja, auch der CatMint Verlag war in den Anfangszeiten so blöd und hat drauf verzichtet. Zum Glück haben wir relativ schnell gelernt, dass das so gaaaar keine tolle Idee ist. Ich meine, wer Sweet Seasons (eben mein erstes SP-Werk) gelesen hat, weiß was ich meine. Das ist schon irgendwie peinlich ...



 

So, und damit sind wir auch schon am Ende. Die Situation ist nicht einfach und wie in jeder Branche gibt es schwarze Schafe aber auch gebleichte. Dass gerade alles teurer wird, aber Endkund:innen kaum bereit sind den vierfachen Preis zu zahlen, verständlicherweise, macht die Sache nicht gerade einfacher.

Wichtig ist also, dass wir alle zusammenhalten und uns unterstützen wie es nur geht. Egal ob Verlag, Verlags-Autor:in oder Selfpublisher:in. Ich hoffe, dass ich ein bisschen Einsicht mit diesem Blogbeitrag geben konnte und ihr manche frech und unfair scheinenden Aktionen von Verlagen vielleicht nicht gutheißt, aber hinterfragt und darüber redet. Kommunikation ist das A und O.


Ich wünsche euch ganz viel Erfolg mit euren Buchprojekten. Schreibt mir gern in die Kommentare, was euch zu dem Thema im Kopf herumgeistert. Und wenn ihr Fragen habt, stellt die auch gerne per Kommentar oder Mail.

<3


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