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S. Wendisch: "DIE WEISSMASKEN" (Kurzgeschichte)

Ich entschuldige mich für die Upload-Pause - privater Stress hat mich gehindert. Aber heute gehts weiter!

 

Hierbei handelt es sich um eine Kurzgeschichte, die beim Kurzgeschichtenwettbewerb der AniNite 2023 eingereicht wurde. Der Text stammt direkt von dem/der Autor:in und wurde vom Verlag nicht verändert. Das Thema des Wettbewerbs lautete "Zum Glück war dort ein Getränkeautomat".

Viel Spaß beim Lesen!

 
Text: S. Wendisch
Genre: Horror, Mystery
Triggerwarnung: Gewalt, Tod, Angsteinflößende Szenen

Die Weißmasken


Schritte. Schritte hallten durch den schneeweißen nahezu leeren Korridor. Die schlichten

Deckenlampen flackerten in einem dreckigen weiß. Die einzigen Türen waren zur Sicherheit der anderen Patienten abgesperrt worden. Blutstropfen legten eine Spur auf dem schlichten Boden. Aber auch an der Wand war etwas Blut aufzufinden. Als er die Schritte näherkommen hörte fing er an zu rennen. Die Schritte klangen nun wieder entfernter. Er atmete schwer. Seine Wunde setzte ihm ordentlich zu. Und die Schmerzen wollten nicht nachlassen. Er hatte es fast geschafft, der Ausgang war nicht mehr weit. Und dann währe er weg. Weg von diesem Ort. Er schlich um die nächsten paar Ecken sehr darauf bedacht nicht von “ Ihnen“ gesehen zu werden. Da er konnte die Tür sehen, den Ausgang aus dieser Hölle. Er sprintete die letzten Meter, als er Plötzlich einen Schmerz im Nacken

spürte. Vor seinen Augen verschwamm alles, er brach zusammen und das letzte, was er spürte, war das warme Sonnenlicht, welches durch das kleine Fenster an der Tür auf ihn schien.


Als er wieder zu sich kam befand er sich in einer rund um weißen Gummizelle. Er sah sich um. Alles weiß. Neben ihm stand eine Frau mittleren Alters, sie trug einen weißen Kitt el und hielt ein Klemmbrett in der Hand. Sie war eine der für ihn zuständigen Psychiater. „Claus, wir können ihren

Wahnsinn nicht heilen, wenn sie sich so dagegen sträuben.“, seufzte die Psychiaterin. „Sie verstehen

das nicht Doktor, niemand hier versteht das. Dieser Ort ist der Grund für meinen Wahnsinn!“, schrie

er panisch. Sie notierte sich irgendetwas auf ihrem Klemmbrett. Sie ging nicht weiter auf seine Aussage ein und sagte nur: „Nun wir werden ihnen in zwei Stunden ihre Medikamente bringen. Und

versu chen sie nicht wieder wegzulaufen.“ Sie verließ den Raum, draußen warteten ein Paar ihrer Kollegen. „Irgendwelche Fortschritte?“, fragte einer der Psychiater. Sie schüttelte den Kopf. „Nein, nichts dergleichen, er gibt immer noch denselben Schwachsinn von sich, wie in den letzten Wochen.“

„Verzeihung, wenn ich frage, aber wieso wurde er denn zu uns eingeliefert?“, fragte eine etwas jüngere und offensichtlich neuere Mittarbeiterin. „Claus Kaskade, wurde hier eingeliefert, weil er 18 Menschen umbrachte und si ch danach an nichts erinnern konnte. Auch jetzt kann er sich nicht daran erinnern diese Tat begangen zu haben.“ „Und ich habe mir seine Akte angesehen.“, meinte ein anderer Psychologe. „Es gab davor nicht die geringsten Anzeichen für eine Tendenz zum Töten .“ „Ich frage mich, was in seinem Kopf vor sich geht.“, murmelte die junge Psychiaterin.


Die nächsten zwei Stunden hatte Claus versucht irgendwie aus seinem Gefängnis zu entkommen, jedoch vergeblich. Er saß in einer Ecke und schlug seinen Kopf gegen die G ummiwand, als sich die Tür mit einem leisen Geräusch öffnete. „Claus, ihre Medikamente.“ Der Psychiater stellte das Tablet mit Medikamenten und einem Glas Wasser hinter Claus ab. Dieser rührte sich jedoch nicht, und schlug seinen Kopf weiter gegen die Wand . „Na los Claus, nehmen schon sie ihre Medikamente, sie wissen es ist nur zu ihrem bestem.“, forderte der Psychiater ihn auf. Dieser ließ sich nach hinten fallen, direkt neben das Tablet. Er sah dem Doktor tief in die Augen. „Sagen sie mir Doc, wissen sie wie es sich anfühlt langsam, aber sicher wahnsinnig zu werden und niemand versteht einen ?“ Der Doktor

richtete sich auf. „Nein, aber ich bezweifle das diese kryptische Selbstdiagnose zutreffend ist.“ Claus fing plötzlich an wie aus dem nichts aufzulachen. Noch während er lachte, sagte er: „Da, sie verstehen mich nicht, sie glauben mir nicht. Niemand tut das. Ihr haltet mich alle für wahnsinnig, dabei bin ich nicht verrückt. Noch nicht.“ „Ich verstehe.“, erwiderte der Doktor kühl. Kaskade setzte sich auf und drehte sich zu seinem Gesprächspartner um. „Wissen sie Doktor, wenn ich eines gelernt habe in meinem bisherigen Leben, dann ist das Lügen zu erkennen. Sie sagen zwar, dass sie mich verstanden haben, aber in Wahrheit denken sie sich wahrscheinlich das ich völlig gekloppt bin.“ „Nun ich denke ich sollte jetzt gehen.“, meinte der Doktor und verließ den Raum. Claus rief ihm, bevor die Tür sich schloss, hinterher: „Denken sie darüber nach Doc!“ Und fing an zu lachen. Die Stunden verstrichen nach und nach. Die S tille in den leeren Gängen wurde hin und wieder von dem Lachen welches Claus von sich gab unterbrochen. Es war bereits dunkel, als sich die Tür zu Claus erneut öffnete. Der Insasse lag in einer Ecke und starrte an die Decke. „Kaskade?“, fragte die Psychiaterin vorsichtig, um festzustellen, ob er noch wach war. „Warum? Warum habe ich immer wieder diese Bilder vor meinem Geistigem Auge? Blut. Messer. Eine rote 18. Leichen.Und einen zerschlagenen Spiegel mit der verzerrten Spieglung meines Gesichtes, welches mit Blutspritzern bedeckt ist.“, murmelte Claus. „Es könnten aufblitzende Stücke aus ihrer Vergangenheit sein.“, spekulierte die noch relativ junge Psychiaterin. „Hmm, vielleicht.“ Murmelte Kaskade. Mehrere Minuten verstrichen in absoluter Stille, niemand von beiden sagte irgendetwas oder bewegte sich. Wie aus dem nichts fragte Claus: „Sagen sie Doc, träumen sie manchmal?“ „Ja, hin und wieder. Wieso fragen sie?“ „Hm, nur so.“, log Claus. „Gibt es sonst noch etwas, was ich für sie tun kann?“, fragte die Psychiaterin entgegenkommend. Kaskade überlegte kurz und sagte dann: „Sie können mir sagen was in Den Medikamenten ist.“ „Die Mixtur ist mir leider nicht bekannt, ich nehme mal an das es einfach irgendwelche Beruhigungstabletten sind.“ Es verstrichen einige Minuten, ohne dass jemand einen Laut von sich gab. „Sie sollten sich langsam Schlafen legen.“, meinte die junge Frau. „Nein! Nein, das geht nicht!“ Claus war aufgesprungen und hatte sie an den Schultern gepackt. „Dann gehen sie wieder weiter. Die Albträume!“ Sie versuchte sich zu befreien, aber er ließ nicht los. Seine Hände waren schon völlig weiß aufgrund der durch seinen festen Griff mangelnden Blutzirkulation. „Lassen sie mich los Claus!“, forderte die Psychiaterin mit einem deutlich ernsteren Ton. „Sie verstehen das nicht! Niemand versteht das, sie glauben mir alle nicht! Ich bin nicht WAHNSINNIG! Sie werden kommen!“, schrie er in seinem Wahnsinn. „Lassen sie mich los. Oder ich sehe mich gezwungen Gewalt anzuwenden.“, forderte sie erneut. Als Kaskade nicht los ließ sagte sie: „Gut sie haben es nicht anders gewollt.“ Sie holte mit ihrem Bein aus und trat ihn mit voller Wucht in die Kronjuwelen. Er sackte zusammen und hielt sich die Kronjuwelen vor Schmerz. „Nun ich denke das reicht.“, sagte die Psychiaterin kühl und verließ den Raum. Er lag noch einige Zeit voller Schmerzen da, bis er schließlich einschlief.


Er öffnete langsam seine Augen und sah sich um. Er schrie auf. „Nein! Nein! Nein, nicht wieder hier! Nicht hier! Nicht wieder in diesem Albtraum! Nein!“ Er versuchte zu fliehen aber wie schon die Nächte davor war er mit engen Lederriemen an ein Großes hölzernes Kreuz gefesselt. Das Leder schnitt ihm in die Handgelenke und Knöchel. Eine schwere Eisentür öffnete sich und “sie“ betraten den Raum. Die 13 Gestalten waren in schwarze ihnen zu große Kutten gehüllt, sie waren sichtbar kleiner als Claus, gerade einmal 1,60. Zudem trugen sie unter ihren großen Kapuzen jeder eine weiße Maske mit einem großen schwarzen Mund, der zu einem Lachen geformt war, über diesem Mund befanden sich zwei tiefschwarze Ovale, wahrscheinlich zum Durchsehen. der vorderste hielt in seiner

rechten Hand einen vergoldeten Kerzenständer. Das Licht der drei Kerzen erzeugte eine Interessante Reflektion an dem Kerzenständer. „Sol tssal snu negnafna.“, sagte der mit dem Kerzenständer, offensichtlich der Anführer. Die Weißmasken nahmen sich jeder ein Skalpell und fingen an in sein Fleisch zu schneiden. Seine Schmerzensschreie durchdrangen den gesamten Raum. Nach einiger Zeit legten sie die blutbeschmierten Skalpelle weg. Claus war an Armen, Beinen und Bauch mit seinem Blut besudelt. „Bitte, lasst mich gehen. Ich habe euch nichts getan.“, bettelte der Gefangene. Sie griffen nur still nach kleinen Geräten, und fingen an ihm Stromschläge zu geben. Als irgendwann

Rauch von Claus aufstieg hörten sie auf. „Fahrt zur Hölle, und möget ihr euch dort quälen ihr verfluchten Scheißkerle.“ Die Weißmasken ignorierten ihn nur und der Anführer sagte: „Ud, loh E5-2r! Dnu ud loh eid Etfits!“ Zwei Weißmasken verließen den Raum, nach einiger Zeit kamen sie wieder zurück. Einer hielt einen Teller mit einem perfekt zubereiteten Gericht: Wiener Schnitzel, Pommes, ein Zitronenviertel und etwas Eisbergsalat. Es duftete wunderbar. Die Weißmaske stellte es auf einen Tisch in der Ecke des Zimmers. Der andere hielt eine Dose mit rund 50 angespitzten Bleistiften. Er verteilte die Bleistifte, und die Weißmasken fingen an sie in Die Arme von Claus zu stechen. Doppelte Folter dadurch das er die schmerzen erleiden musste und das Schnitzel zwar roch und sah, es aber nicht erreichen konnte. Als alle Bleistifte in den Armen waren fingen sie an sie wieder rauszuziehen. „Tbeg rim ned Remmah!“, forderte der Anführer. Die anderen Weißmasken brachten ihm einen Hammer. „Was willst du damit machen? Mir damit in die Nüsse schlagen?“, fragte der völlig erledigte Kaskade. Der Anführer holte weit aus, und schlug Claus genau in die Kronjuwelen. Claus schrie auf und brachte dann unter Schmerzen heraus: „Nicht schon wieder.“


„Egnaz!“, forderte der Chef. Man nahm ihm den Hammer ab und gab ihm eine Zange. „Was jetzt?“ Er setzte die Zange an. „Nein, nein bitte nicht!“ Ein lauter Schmerzensschrei hallte durch den leeren Raum. Claus war schon kurz vor der Ohnmacht als ihm etwas auffiel, ein Riss durch das Holz des Kreuzes zog sich ein langer Riss. Während der Anführer damit beschäftigt war seinen Fingernagel wegzulegen versuchte Claus sich loszureißen. Er brachte all seine Kraft auf und das Holz brach in viele Teile. Die Weißmasken rannten wie aufgescheuchte Hühner rum. Er öffnete rasch die Lederriemen an seinen Füßen, um die Hände würde er sich später kümmern, erst einmal galt es zu fliehen. „Tppots nhi!“, brüllte der Anführer. Die Weißmasken versuchten Claus aufzuhalten. Einer rammte ihm ein Skalpell ins Bein. Claus versuchte sich mit seinen Fäusten durchzuschlagen, relativ erfolgreich. Er war fast an der Tür, plötzlich stand der Anführer vor ihm, in der Hand der Kerzenständer. Er hielt die Kerzen an den Arm seines Gegenübers was bei Claus für eine ernsthafte Verbrennung und einen Schmerzensschrei sorgte. Mit all seinem Hass, der sich auf diesen Anführer angesammelt hatte, schlug er ihm mit voller Wucht auf die weiße Lächelnde Maske. Diese zerbrach in Tausend Teile. Das Gesicht darunter war ein absoluter Albtraum, es war völlig verbrannt, mit einem entstellten Lächeln,

aber das schlimmste war, das es für Claus war als würde er in einen verzerrten Spiegel blicken. Das war sein Gesicht nur entstellt, seine roten strubbeligen Haare. Er rannte weg von da einfach nur raus.

Er stürmte raus aus der schweren Eisentür. Er rannte durch einen dreckigen, dunkel getäfelten Gang, der nur durch spärliches Kerzenlicht beleuchtet wurde. Die Weißmasken versuchten alle gleichzeitig durch die Eisentür zu stürmen. Nach ein paar Sekunden waren sie aber wieder hinter ihm her. Das Rennen fiel ihm schwer mit einem Skalpell im Bein. Er zog das Skalpell aus seinem Bein und warf es über seine Schulter auf die Weißmasken. Er rannte weiter, aber er merkte, wie seine Ausdauer nachließ. Er suchte verzweifelt nach einem Fluchtweg, und da eine Tür zwei Meter voraus zu seiner linken. Rasch öffnete er die Tür, stürmte rein und schloss ab. Mitten im Raum stand ein Getränkeautomat. „Den Göttern sei Dank ein Getränkeautomat!“, freute er sich. Er wusste das ein einfaches Türschloss die Weißmasken nicht aussperren würde. Schnell rannte er zum Getränkeautomaten und fing an diesen zur Tür zu schieben. Er hörte schon die ersten Weißmasken gegen die Tür knallen. Er hatte die Tür gerade erreicht, und keine Sekunde zu früh, nahezu Zeitgleich hörte er wie das Türschloss brach. Die Maskierten versuchten noch stundenlang durch die Tür zu kommen, aber gegen den Getränkeautomaten kamen sie nicht an. Claus hörte den Anführer von draußen dumpf sagen: „Sad tsi nied Dot Sualc Edaksak.“ Irgendwann war es dann völlig ruhig in dem Gebäude. Die Stunden verstrichen und Claus bekam Durst. „Na ja zum Glück habe ich ja noch diesen Getränkeautomat.“, sprach er mit sich selbst. Er stand auf und ging zu dem Getränkeautomaten. Er gab schon die Zahlen in den Automaten ein und grub mit der anderen Hand in seinen Hosentaschen.

Nichts diese waren völlig leer, kein Geld, keine Knöpfe kein Garnichts. „Scheiße, ich will nicht hier drinnen elendig verdursten!“, fluchte er. Er versuchte die Scheibe einzuschlagen aber wegen der Folter und der Flucht war er viel zu sehr geschwächt. Zeit verging. Er wusste nichtmehr wie lange er hier war. Sein Mund war völlig ausgetrocknet und er fühlte sich schwächer als je zuvor in seinem Leben. Mit der Zeit verließ ihn sein Bewusstsein ganz.


Die Tür öffnete sich. Die zwei Psychiaterinnen, mit denen er am Vortag gesprochen hatten, betraten die Gummizelle. Ein anderer Psychiater wartete bereits. „Ist er tot?“, fragte die junge Psychiaterin und sah sich Claus Kaskade an. Sein Körper lag reglos auf dem Boden. „Ja.“ Sagte der andere Psychiater.

„Sein Körper ist völlig ausgetrocknet wie eine Rosine.“ „Also ist er im Schlaf verdurstet, oder wie?“ „Es ergibt für mich zwar keinen Sinn, aber es sieht danach aus.“ „Das ist unmöglich. Ein Mensch könnte niemals in nur einer Nacht verdursten!“, meinte die andere Psychiaterin. „Sehen sie selbst.“, forderte der andere sie auf. „Tatsächlich, kein Wasser im Körper.“, murmelte. „Was ist in ihrem Kopf vorgegangen Claus Kaskade?“, fragte sich die junge Psychiaterin laut, und betrachtete auf das volleWasserglas neben Seiner Leiche.


(Wer wissen will was die Weißmasken sagen, liest einfach die einzelnen Wörter rückwertes)

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